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Lesen Sie hier alles über die Bader zur "Friedberger Zeit"

Im Seelenbeschrieb der Stadt Friedberg aus dem Jahre 1789 werden bei 321 bürgerlichen Haushalten 95 verschiedene Berufe genannt. Doch werden weder Apotheker noch Hebammen und Heilkünstlerinnen eigens aufgeführt, wohl aber Bader (3), Vieharzt (1) und Krankenpfleger (1). Bei 33 Haushalten fehlen die Berufsbeschreibungen. Es handelt sich dabei wohl um Haushalte von Frauen und Witwen.

Die Verabreichung von Arzneien oblag den drei Badern. Zwei von ihnen waren wenig angesehen: der Gmainbader und der Leprosenbader. Letzterer musste den Leprosen Arzneien verabreichen und sie mit Aderlassen und Schröpfen bedienen. Er wurde von den Bürgerinnen und Bürger nicht aufgesucht. Diese beiden Bader durften auch den Titel „Herr“ nicht führen. Der dritte Bader wurde als „Wundarzt“ bezeichnet und durfte den Titel „Herr“ führen.

Bei bedürftigen Bürgern zahlte die Stadt Friedberg den Badern den Preis für die verabreichte Arznei.

Die erste Apotheke in Friedberg errichtete Johann Christoph Versmann am 1. April 1804 im Haus des Kleinuhrmachers Xaver Niederländer, Hs.-Nr. 226. Die Apothekergerechtsame erhielt der aus Hannover stammende Versmann aus der Transferierung der von Kurfürst Max Joseph und von Montgelas aufgelösten Klosterapotheke von Tegernsee für einen Kaufschilling von 250 Gulden.

In der Stadt Friedberg gab es zwei Hebammen. Ihre Arbeitserlaubnis erhielten sie vom Stadtrat. Ohne diese Bewilligung durften sie ihren Beruf nicht ausüben. Die Hebammen mussten keinen Hauszins entrichten und erhielten von der Stadt Friedberg einen Krautgarten, einen Gemeindeacker und eine Wiese bei St. Afra, zudem jährlich 2 Klafter Holz, zwei Schober Boschen und ein Quatembergeld von 1 Gulden und 20 Kreuzer.

Die Arbeit der Hebammen war oft sehr traurig, denn die Kinder- und Müttersterblichkiet war im 18. Jahrhundert sehr hoch. Das gefürchtete Kindbettfieber war eine tödliche Gefahr für Mutter und Kind. Im Mirakelbuch von Herrgottsruh werden 91 Anliegen bei Frauenleiden und Geburtsnöte aufgeführt. Hier wird von Geburtsnöten bis zu 8 Tagen berichtet. Ein Votivbild zeigt uns grausam, wie der von der Hebamme herbeigerufene Bader Andreas Deisch das Kind mit „Instrumenten“ aus dem Mutterleib holte. Da ist es nicht verwunderlich, wenn die Mütter oft den Gnadenbildern, Amuletten und geweihten Sachen mehr vertrauten.

Die Badstube der Friedberger Zeit wird von Mitgliedern der Wasserwacht Friedberg auf dem Marienplatz (Stand 76) zu neuem Leben erweckt.
Den historischen Apotheker Dr. Hannes Proeller finden Sie in der Jungbräustraße (Stand 55), die Stillstube ebenfalls (Stand 61)

Gabriele Raab

Altstadtfest in Friedberg 08.- 17. Juli 2016