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Die Cordonisten der Friedberger Zeit und ihre Geschichte

Bis 1806 war der Lech Grenze zwischen Bayern und Schwaben. Die Freie Reichsstadt Augsburg lag bereits im „Ausland“. Friedberg war Grenzstadt und daher oftmals umkämpft. Zur Sicherung und Bewachung wurde entlang der Grenze eine Postenkette, Kordon genannt, errichtet. Diese Kordons waren besonders in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts weit verbreitet. Sie bewachten nicht nur die Lechgrenze, sondern alle Grenzen ins „Ausland“. Die für den nördlich und südlich von Friedberg gelegenen Grenzbereich maßgebliche Kordonstation befand sich in Friedberg an der südlichen Stadtmauer, heute Stadtmauer 19, Patrollhaus genannt. Die Bezeichnung „Patroll“ kommt von Patrouille oder patrouillieren, was soviel heißt, wie „als Posten auf- und abgehen“. Die Grenzbewachung führten verschiedene Regimenter durch, die oft nur einige Jahre zuständig waren. 1754 wurde das Husarenkorps Piosasque errichtet, das u. a. für den Grenzschutz am Lech zwischen Rain am Lech und Schongau eingesetzt wurde. Ab 1770 hieß das Korps Kurbayerische Legion bzw. Piosasque-Legion. Ab 1772 wurde der Militärkordon an den Grenzen aufgelöst, die Grenzbewachung übernahmen Teile der bayerischen Truppen. Die einzelnen Regimenter mussten dazu jeweils ein bis zwei Mann als „Konfinwachen“ abstellen. 1780 wurden Sicherheitskorps errichtet und im Jahr 1788 kam eine „Instruktion für den kurpfalzbayerischen Militair-Cordon“ heraus. Aus dieser Instruktion gehen die Aufgaben dieses Kordons hervor. Sie waren polizeilicher Art und betrafen z. B. das Vorgehen gegen Bettler, Räuber, Deserteure etc. Der Lechstrombezirk wurde ab diesem Jahr vom neu gebildeten Chevaulegers-Regiment La Rosée überwacht.

Die Cordon-Station sollte von sechs Mann und drei Pferden besetzt werden, um die „Ausschwärzung am Lechstrom“ zu verhindern. Es wurden auch genaue Angaben gemacht, wie die Einrichtung der Station auszusehen hatte. Folgendes Inventar wurde gefordert:

 3 Bettstätt

3 wollene Decken

6 Leintücher

3 Strohsäck und Kopfpolster

2 Hörzerne Stellen und Gewehr Rammen

1 Schisselkanne

1 Kerzenleichter samt Putscher

1 Tisch

2 Stuell 2 Sitzbank

1 Holz Hacken und Sach

1 Schlegel

1 eisene Schaufel

Kochgeschirr:

1 große eiserne Pfann

1 mittlere und 1 kleine

6 verschiedene erdene Häfen

6 verschiedene erdene Schisslen

1 erdener Nudlseiher

2 erdene Dampfdegel

2 erdene Wasserkrieg

1 erdene Pratpfann

1 Feimm und 1 Schöpflöffel

1 Nudlscharrer

1 Riebeisen

1 Kochlöffel

4 hölzerne Deller

1 Brettl zum Leber hacken

1 Dreyfuß

1 Wasserschafl

1 Ofenröhre von Eisenplech

(StA Mü aus AR 367/23)

Nach 1800 änderten sich unter französischem Einfluss in der Napoleonischen Zeit die Verhältnisse grundlegend. Schwaben und Augsburg wurden 1806 bayerisch. Friedberg war somit keine Grenzstadt mehr, Kordons waren nicht mehr nötig.

Für das Altstadtfest Friedberger Zeit 2001 gab es Überlegungen, die während des Festes erforderlichen polizeilichen Aufgaben durch historisch gekleidete Polizisten durchführen zu lassen. Die Polizeiinspektion Friedberg erklärte sich dankenswerter Weise dazu bereit und stellte die erforderlichen Polizisten dafür ab. Durch umfangreiche Recherchen konnte die historische Kordonstation Friedberg rekonstruiert werden, wofür besonders dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv, Abteilung Kriegsarchiv, ganz besonderer Dank gilt. Aus historischen, aber auch optischen und praktischen Gründen wurde als Vorbild für die Uniform das in der Mitte des 18. Jahrhunderts als Grenzposten zuständige Piosasque-Husarenkorps gewählt. Beim Altstadtfest 2001 sicherten erstmals die in schmucke Uniformen gekleideten Cordonisten den Festverlauf. Ihr freundliches Auftreten, ihre Kompetenz und Autorität sind zum wesentlichen Bestandteil des Festes geworden. 2007 bereicherten bereits fünf Cordonisten das Altstadtfest, 2013 sind es schon sieben Cordonisten.

Dr. Hubert Raab

Cordonist historisch
Bild: Bayer. Hauptstaatsarchiv-Kriegsarchiv

 

Altstadtfest in Friedberg 08.- 17. Juli 2016